Strategien für Publisher zur Monetarisierung von First-Party-Daten

In einer Welt ohne Cookies sind First-Party-Daten entscheidend, um sich im digitalen Verlagswesen einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.   Digitale Verlage sollten jedoch nicht nur versuchen, die Lücke zu schließen, die durch den Wegfall von Third-Party-Daten entsteht, sondern vielmehr proaktiv das ungenutzte Potenzial von First-Party-Daten ausschöpfen.
Eine von McKinsey durchgeführte Analyse prognostiziert, dass die Verlagsbranche nach dem Wegfall von Third-Party-Daten bis zu 10 Milliarden US-Dollar an Werbeeinnahmen ersetzen muss. Es überrascht daher nicht, dass bereits 95 % der Verlage in Großbritannien und den USA begonnen haben, Monetarisierungsstrategien auf Basis von First-Party-Daten zu entwickeln. Allerdings haben erst 28 % erfolgreich diesen neuen Ansatz etabliert und umgesetzt.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Verlage nicht nur First-Party-Daten sammeln, sondern diese auch aktiv nutzen, um den Wert ihrer Inhalte und ihrer Zielgruppe zu maximieren. Dieser Artikel stellt fünf verschiedene Strategien zur Monetarisierung von First-Party-Daten im Verlagswesen vor.

Entwickeln Sie einen effektiveren und personalisierten Abonnement-Funnel

First-Party-Daten bieten unvergleichliche Einblicke in das Verhalten, die Präferenzen und die Interaktionen der Leser mit Inhalten. Mithilfe dieser Daten sollten digitale Verlage in der Lage sein, Abonnement-Funnels hochgradig zu personalisieren, um deren Effizienz zu maximieren und Konversionen zu steigern. Indem gezielt Inhalte angeboten werden, von denen Verlage wissen, dass sie den Interessen ihrer Leser entsprechen,  erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit, diese als Abonnenten zu gewinnen. Besonders relevant ist dies, da  71 % der Verbraucher mittlerweile erwarten, dass Unternehmen personalisierte Interaktionen bieten.
Ein effektiver Einsatz von First-Party-Daten geht Hand in Hand mit der Einführung von dynamischen Paywalls. Der Abschied vom Gießkannenprinzip bedeutet, eine individuelle Akquisitionsstrategie zu entwickeln, die auf First-Party-Daten basiert und in einer dynamischen Paywall mündet – genau dann, wenn der einzelne Nutzer bereit ist, ein Abonnement abzuschließen.

Steigern Sie den CLV durch datengetriebene, tiefe und langfristige Kundenbindung

Personalisierung bietet eine signifikante Rendite. Das Potenzial von First-Party-Daten geht weit über die Neukundengewinnung hinaus und ist entscheidend für die Bindung von Abonnenten – und damit für die Bestimmung des Customer Lifetime Value (CLV). Eine erfolgreiche Bindung von Abonnenten basiert auf langfristigen Investitionen in deren Loyalität, Gewohnheiten und Engagement.
Verlage sollten First-Party-Daten nutzen, um die Nutzerbindung an ihre Angebote zu stärken und zentrale Erkenntnisse zu verwenden, um personalisierte und relevante Inhalts-Empfehlungen zu bieten, die das Interesse der Nutzer dauerhaft wecken. Solche personalisierten Customer Journeys sind essenziell, um eine langfristige und damit besonders wertvolle Beziehung zu Abonnenten aufzubauen.
Darüber hinaus ermöglichen First-Party-Daten es digitalen Verlagen, tief in den Kundenlebenszyklus einzutauchen und ein detailliertes Verständnis dafür zu entwickeln, wo der größte Wert liegt und an welchen Stellen unnötig Potenzial verloren geht. Mithilfe entscheidender Daten-Insights über ihre Leserschaft sollten Verlage in der Lage sein, effektiv:
  • Die wertvollsten Segmente ihrer Zielgruppe zu identifizieren und diese Potenziale gezielt zu nutzen.
  • Gefährdete Abonnenten frühzeitig zu erkennen und zurückzugewinnen, um die Abwanderung zu minimieren.
  • Wertvolle Up-Selling- und Cross-Selling-Chancen zu erkennen.

First-Party-Daten nutzen, um neue Umsatzpotenziale zu erschließen

First-Party-Daten sind eine unschätzbare Quelle für neue Ideen. Entwickeln Sie potenzielle Produkte, Monetarisierungsmodelle und Upselling-Möglichkeiten, indem Sie Nutzerinteraktionen und Engagements analysieren. Nutzen Sie die gewonnenen Erkenntnisse, um Ihre Business-Development-Strategie zu steuern und Ihr Wertangebot zu diversifizieren.
So kann beispielsweise ein bestehender Content-Stream in ein kostenpflichtiges Produkt umgewandelt werden – wie es die New York Times mit ihrem Kreuzworträtsel getan hat. Dies schafft nicht nur eine neue Cross-Selling-Möglichkeit für bestehende Abonnenten, sondern auch einen weiteren Kanal zur Gewinnung neuer Abonnenten.

Reichweite ausbauen

First-Party-Daten liefern nicht nur Einblicke in die bestehende Leserschaft, sondern auch in potenzielle Zielgruppen. Durch die Analyse der Interessen, Merkmale und Interaktionen bestehender Nutzer mit Inhalten können Verlage gemeinsame Eigenschaften, Interessen und Verhaltensweisen ihrer Zielgruppe herausarbeiten. Das führt zu einem tiefgehenden Verständnis darüber, welche Plattformen oder Kanäle diese Personen bevorzugt nutzen und welche Artikel ihre Aufmerksamkeit erregen.
Mit dem durch First-Party-Daten gewonnenen Wissen über die eigene Leserschaft können digitale Verlage gezielt herausfinden, wie sie neue Leser innerhalb ihrer Zielgruppe gewinnen. Dies kann sich beispielsweise in hochgradig zielgerichteten und fokussierten Werbekampagnen auf Kanälen äußern, die speziell auf bestimmte Segmente der gelegentlichen Leserschaft ausgerichtet sind.

Lukrative Werbeverträge abschließen

75 % der befragten Verlage sind optimistisch, was die Auswirkungen von Datenschutzänderungen auf ihre Beziehungen zu Media-Einkäufern betrifft – und sehen die Verhandlungsmacht künftig in ihren Händen.
Ein tiefes Verständnis für Nischensegmente der eigenen Zielgruppe ist für Werbetreibende äußerst wertvoll, da sie so hochgradig zielgerichtete Marketingkampagnen für Ihre Leserschaft entwickeln können. Dies ist ein zentraler Ansatz zur Monetarisierung von First-Party-Daten: Der Verkauf einer Zielgruppe und des Wissens um deren Bedürfnisse und Wünsche – und nicht bloß von Werbeflächen auf der Website.
Wenn First-Party-Daten strategisch und umfassend erhoben werden, eröffnen sich lukrative Werbemöglichkeiten. Es ist entscheidend, dass Verlage ihre Datenerhebungsstrategien so gestalten, dass sie ein breites und detailliertes Bild ihrer Zielgruppen erhalten und die für Werbetreibende relevanten Insights liefern. Durch fortlaufendes, progressives Profiling der Nutzer entsteht im Zeitverlauf ein immer granulareres Verständnis für das Verhalten und die Interessen der Leserschaft. Dieses tiefe Verständnis der Zielgruppe steigert den durchschnittlichen TKP, da Sie hyperzielgerichtete Werbekampagnen für „eng definierte Zielgruppensegmente“ ermöglichen. Für Werbetreibende ist die glaubwürdige Umgebung, die Verlage bieten, zusammen mit der Loyalität und dem Vertrauen, das aus der Abonnentenbeziehung resultiert, eine unschlagbare Kombination.

First-Party-Daten geben Verlagen die Kontrolle zurück

Die „Cookie-Pokalypse“ wird grundlegende Veränderungen in der digitalen Welt mit sich bringen. Glücklicherweise sind Verlage gut aufgestellt, um den Übergang weg von Third-Party-Daten zu meistern. Der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit liegt darin, das Potenzial von First-Party-Daten zu nutzen, um Konversionen zu steigern, die Nutzerbindung zu vertiefen und den maximalen Customer Lifetime Value (CLV) zu erzielen. Verlage sollten zudem nicht davor zurückschrecken, ihre Umsatzquellen und Content-Angebote zu diversifizieren. Stattdessen empfiehlt sich ein nutzerzentrierter Ansatz, der konsequent auf Erkenntnissen aus First-Party-Daten basiert.